Hobby-Agentenj�ger sammelte schon zehntausende von Mitschnitten Spionagefunk im �ther auf der Spur

  Von Michael Marten, (0 64 21) 16 99 90 [email protected]

  M a r b u r g. �Achtung, Achtung: F�nnef, Drei, Zwo, Achtung: Neuen, Sechs F�nnef, Zwo, Zwo      ...... so klingt es aus dem Kurzwellenempf�nger von Jochen Sch�fer, wenn er seinem ungew�hnlichen Hobby nachgeht. Der blinde 30-j�hrige Dokumentationsassistent aus Marburg horcht seit 25 Jahren in den �ther, um die Funkstationen herauszufischen, die Spione aller Nationen �ber Kurzwelle mit Auftr�gen und Nachrichten versorgen.

Was die in F�nfergruppen zusammengesetzten Zahlen und Buchstabenkolonnen bedeuten, wei� Sch�fer ebensowenig, wie die rund 150 Gleichgesinnten in Europa und Nordamerika, die ebenfalls auf der Hatz nach dem Agentenfunk sind. Von den Geheimdiensten der Staaten, die auch nach Ende des �Kalten Krieges� solche Funkstationen betreiben, ist nichts zu erfahren. ��Top Secret��, streng geheim ist alles im Umfeld um die �Schlapph�te�.

��Antennenfarmen�
Dass der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) aktiv im bunten Reigen der Spionagefunkstellen mitmischt, ist bekannt. Schon von weitem sind die gro�en, drehbaren Kurzwellensendeantennen auf dem Gel�nde in Pullach bei M�nchen zu erkennen. Geweckt wurde Jochen Sch�fers Interesse an den Funkdiensten, die monoton die Zahlen und Ziffern herunterrasseln, im zarten Alter von f�nf Jahren. �Eigentlich war ich auf der Suche nach einem UKW-Rundfunksender,

landete dann aber versehentlich �ber eine falsche Taste am Empf�nger auf dem Kurzwellenbereich und hatte prompt einen Zahlensender, es war die Station Lima Mike, im Lautsprecher�, sagte er im Gespr�ch mit dieser Zeitung. Damit hatte er Lunte gerochen und w�hrend seiner gesamten Jugendzeit und auch heute noch jagte er die Stationen aus Ost und West �ber den gesamten Kurzwellenbereich.

  Dabei ist ein wohl einmaliges Archiv entstanden, denn Sch�fer nimmt die Nachrichten auf Cassette auf. Mittlerweile stapelt sich auf seiner Fensterbank im Marburger S�dviertel eine Sammlung von �ber achthundert Audiokassetten, eine Dokumentation des �Kalten Krieges�.

  Aber auch heute noch sind die Agentensender aktiv, sogar in deutscher Sprache. jeden ersten Donnerstag im Monat um 22 Uhr ist ein Sender zu h�ren, den die Hobby-Agentenj�ger          mit �Enigma G-Null-Vier� bezeichnen. Vor der Ausstrahlung der Zahlenkolonnen wird einige Minuten lang ein Drei-Oktaven-Klang als Senderkennung gefunkt. Wie das klingt, spielt Sch�fer gleich auf dem Klavier in seinem Wohnzimmer vor. Und wo er gerade dabei ist, f�hrt der musikalisch hochtalentierte junge Mann mit dem au�ergew�hnlichen Geh�r auch gleich noch die Erkennungsmelodien anderer Spionagesender vor. Vom israelischen Geheimdienst �Mossad�, die     amerikanischen Dienste CIA und NSA, den russischen KGB und den deutschen BND, ist alles dabei. Ein nettes Erkennungszeichen ist das englische Volkslied �Lincolnshire Poacher�. Dieses Signal wird dem britischen Geheimdienst zugeordnet.

  Sammeln als Spiel Sch�fer sieht seinen ungew�hnlichen Sammeldrang als Spiel. Ihm reicht es, die Stationen zu h�ren und durch Nuancen bei den Ausstrahlungen Parallelen zu anderen Aussendungen zu ziehen. Sein Wissen �ber die Zahlensender tr�gt er in seinem Kopf, er schreibt nichts auf. �Der Sender von Enigma G04 steht in der N�he von Budapest in Ungarn�, erz�hlt er. Aber warum die Ungarn, die vor dem Beitritt zur Europ�ischen Union stehen, Agenten in Deutschland mit Funknachrichten versorgen, vermag er nicht zu sagen. Sein ungew�hnliches Hobby hat den Angestellten der deutschen Blindenstudienanstalt inzwischen bundesweit be- kannt gemacht.

  Am 25. M�rz um 14.05 Uhr ist Jochen Sch�fer als Studiogast beim S�dwestrundfunk in Baden-Baden. Dann wird er in einem 45-min�tigen Feature �ber sein Hobby berichten und den Zuh�rern Beispiele aus seiner umfangreichen Sammlung von Mitschnitten vorf�hren.

  Die pl�tzliche Popularit�t ist dem Agentenj�ger nicht unwillkommen. Er spekuliert darauf, dass sich vielleicht jemand bei ihm meldet, der das gleiche Hobby in der Vergangenheit betrieben hat. In seiner Sammlung fehlen n�mlich noch Mitschnitte von BND-Aussendungen aus den 60-er und 70-er Jahren.

Hintergrund Mit dem Kurzwellen-Empf�nger auf den Knien sitzt Jochen Sch�fer vor seiner Sammlung von Audiokassetten. Die Geheimdienste in Ost und West haben kein Interesse daran, dass ihre Funkbotschaften von Unberechtigten mitgeh�rt werden. Deshalb werden alle Aussendungen nach komplizierten mathematischen Verfahren verschl�sselt. Jochen Sch�fer wird deshalb niemals in der Lage sein, die geheimen Botschaften zu entschl�sseln.

  Dennoch stellt sich die Frage, ob sein Hobby legal ist. In Deutschland gibt es Einschr�nkungen, was man h�ren darf und was nicht. Das Telekommunikationsgesetz (TKG) regelt in den Paragraphen 95 und 96 den Funkempfang. Danach d�rfen nur solche Funkaussendungen geh�rt werden, die an die Allgemeinheit gerichtet sind, also H�rfunk und Fernsehen. Das Abh�ren von Polizei- oder Flugfunk ist verboten, da die Nachrichten an einen geschlossenen Personenkreis gerichtet sind. In der Vergangenheit haben Gerichte allerdings auch schon anders entschieden, Ein Richter des Amtsgerichts Burgdorf (Niedersachsen) ging sogar so weit, in seinem Urteil alles f�r legal empfangbar zu erkl�ren, was nicht ausdr�cklich in der Funknachricht selbst als verboten deklariert wird.