Many thanks to AlphaVax for providing the script for the show:
LISTEN TO THE SHOW HERE: DLF- 16 SEP 03 SHOW.
DeutschlandRadio/DEUTSCHLANDFUNK
Sendung:
Hintergrund/Feature
Dienstag,
16. September 2003
Redaktion: Marcus Heumann
19.15
- 20.00 Uhr
"Achtung:
F�nnef, zwo, null, null, Trennung..."
Geheimdienste auf Sendung
Von
Claudia Heissenberg
Urheberrechtlicher Hinweis
Dieses Manuskript ist urheberrechtlich gesch�tzt und darf vom Empf�nger
ausschlie�lich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielf�ltigung,
Verbreitung oder sonstige Nutzung, die �ber den in den �� 45 bis 63
Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzul�ssig.
DeutschlandRadio
- unkorrigiertes Exemplar -
Atmo
1:
Wellensalat
O-Ton
1:
Ja,
also ich wollte jetzt meinen 2002 selbst komponierten bzw. nicht ganz selbst
komponierten Song "Zahlensenderj�gerliebe ist gef�hrlich" pr�sentieren.
Deswegen nicht ganz selbst komponiert, weil die Melodie bzw. das Motiv aus der
neuen deutschen Welle stammt, es gab da mal einen Song "Geheimagentenliebe
ist gef�hrlich", und danach ist es so ein bisschen gemacht, allerdings nur
nach dem Refrain so ein bisschen, das andere ist aber selbst gemacht. Und ich
denke, wir fangen einfach mal an.
Musik
1:
(er spielt Klavier)
Achtung,
Achtung - Leute, ich erz�hl Euch, was mir so passiert / Mensch, ich bin total
verloren / dabei hab ich das mit den Zahlensendern nur ausprobiert / und jetzt
krieg ich vom Geheimdienst auf die Ohren. Fr�her hat ich mit den Frauen einfach
kein Gl�ck / doch das �nderte sich mit der Zeit / doch nun hei�t es gleich,
junger Mann, halten Sie sich zur�ck / der Geheimdienst steht schon bereit.
Refrain: Zahlensenderj�gerliebe ist gef�hrlich, denn die darf keiner sehen /
der BND und der CIA, die finden das irgendwie nicht wirklich okay / in einem
Waldgebiet s�dlich von Frankfurt am Main / yeah, da sing ich meine
Schicksalsmelodie, Schniedeld�deldum, Schniedeld�deldi, Schicksalsmelodie.
Atmo
2:
Gongstation
Sprecher:
"Achtung:
F�nnef, zwo, null, null, Trennung..."
Geheimdienste auf Sendung
Ein Feature von Claudia Heissenberg.
O-Ton
2:
(Jochen Sch�fer)
Wat
is ene Zahlensender? Da stelle mer uns doch mal janz dumm, en Zahlensender, dat
is en Sender, wo Zahlen ausgestrahlt werden... Genaueres, also jetzt ganz
Genaues, was es inhaltlich f�r nen Sinn hat, wissen wir alle nicht, wir k�nnen
also nur Vermutungen anstellen.
O-Ton
3:
(Gabriele Gast)
Sie
wissen, dass die Kontakte auf nachrichtendienstlicher Ebene konspirativ laufen,
und eine der wesentlichen Methoden, ist die Verschl�sselungstechnik, dass hei�t
dann die �bertragungen verschl�sselter Informationen �ber Kurzwelle, die man
dann per Rundfunk empfangen kann
O-Ton 4:
(G�nter Bohnsack)
Unser gro�er General Wolf sagte immer, Agenten sind nur soviel wert, wenn
man sie denn geworben hat, dass man jederzeit �ber ihn an geheime Informationen
herankommt, und das geht nat�rlich nur, wenn man ein Verbindungswesen hat, so
nannte man das im Jargon, das also erlaubt, ihn st�ndig abzusch�pfen,
anzurufen, zu aktivieren. ..
Atmo
3:
Collage Zahlensender
Sprecherin:
Agentenfunk
- das ist die Welt der Trenchcoats und der Schlapph�te. Richard Sorge, Mata
Hari, G�nter Guillaume - Spione aller Nationen wurden und werden �ber
Kurzwelle mit Auftr�gen und Nachrichten versorgt. Die Technik ist einfach und
effektiv. Schon mit einem simplen K�chenradio kann der Agent auf Empfang gehen.
In punkto Sicherheit ist der geheime Funkverkehr bis heute ohne Konkurrenz.
O-Ton 6:
Mein Name ist Jochen Sch�fer,
ich bin 31 Jahre alt, wohne hier in Marburg, bin in Schl�chtern im
Vogesbergkreis vor 31 Jahren geboren worden, und zwar blind geboren worden, ohne
Augen, und das ist auch der Grund, wieso ich nichts in dieser Richtung vermisse
und habe seit 1977 die Kurzwelle entdeckt ... Und seit dieser Zeit habe ich mich
mit den Zahlensendern irgendwie besch�ftigt, weil sie mich faszinieren und weil
sie so was ganz Besonderes haben, eben auch deswegen, weil�s so verschiedene
davon gibt, in verschiedenen Sprachen und auch mit verschiedenen Signalen
vorneweg
Sprecherin:
Der
Marburger arbeitet als Dokumentationsassistent in der Sch�lerbibliothek der
Blinden-Studienanstalt. Nach Feierabend fahndet er in seinem Kurzwellenradio
nach den geheimnisvollen Botschaften im �ther: Jochen, der Zahlensenderj�ger.
Der Kopf der deutschsprachigen Zahlensenderbewegung, wie er sich selber nennt.
Er war f�nf, als er zum ersten Mal die Geisterstimmen im Radio entdeckte.
Atmo
1:
Wellensalat
O-Ton 7:
Meine
Mutter hat an dem alten Stereoger�t, was wir damals hatten ... Da war also
irgendwie der Knopf verkehrt eingestellt, und da war also nicht UKW wie sonst zu
h�ren, sondern Kurzwelle. Das h�rte sich f�r mich damals erstmal so an, als w�rd�s
da gluckern, das wei� ich noch ganz genau, sp�ter hab nat�rlich
herausbekommen, dass das ein Rundfunksender war, der etwas unklar eingestellt
war, und das h�rte ich f�r mich damals glglglll, so gegluckert an, ... also
auf jeden Fall war�s doch etwas unheimlich auch, dieser Klang und aber
irgendwo auch reizvoll, dem Ganzen mal weiter auf den Grund zu gehen. Und dann
hab ich irgendwann dann so weiter Kurzwelle geh�rt ... und bin dann auf einen
Zahlensender gesto�en. So. .... Es war der damalige Stasi-Sender G08, wie wir
ihn heute codieren w�rden, kennzeichnend durch eine aufsteigenden Dur-Akkord (macht
er vor), so unsauber hat der damals geklungen. ... Zun�chst mal hab ich nur
diese Zahlen geh�rt: (er verstellt die Stimme) Drei, acht, f�nnef, f�nnef,
neun, und das mich nat�rlich schon sehr begeistert, weil ich gedacht hab, was
redet die denn da und was soll das?
Atmo
12:
Collage Zwei-Buchstabensender
Sprecherin:
Jochen
ist ganz Ohr und h�ngt Tag f�r Tag am Radio. Die Eltern sind von diesem neuen
Hobby wenig begeistert. Das mache dumm, behaupten sie, �berhaupt solle er sich
mehr um die Schule k�mmern. Wenn gar nichts mehr hilft, wird ein Stromausfall
inszeniert. Sie drehen dem Sohn die Sicherung raus, um endlich Ruhe zu haben.
Atmo
4:
Lima Alpha, Jochen (als Kind):
So
stellen die sich das vor ... Blo� nicht Stromausfall machen.
Sprecherin: Mit
einem Philipsrecorder, den er 1977 zu Weihnachten geschenkt bekommen hat, nimmt
Jochen die mysteri�sen Botschaften auf. Ohne zu wissen, worum es dabei geht und
wer oder was dahinter steckt. Den blinden Jungen fasziniert der Klang, die
Kombination von T�nen, Buchstaben und Zahlen, die immer wieder anders ist.
Atmo
5:
Zahlensendung, Jochen (jung):
Na
wann geht das hier endlich zuende?
Sprecherin:
Fast
500 Kassetten hat der Marburger bis heute mit den Signalen aus der Schattenwelt
gef�llt. Sein wichtigstes Werkzeug ist ein Weltempf�nger.
O-Ton
8:
Besonders
einfach ist es, wenn man zwischen die Rundfunksender geht. Also es gibt ja die
ber�hmten Mediab�nder auf der Kurzwelle, die bekanntesten sind das
49-Meter-Band, das 41-Meter-Band, 31, 25, 22, 19, 16, 13, 11, also es gibt noch
mehr, und da auf diesen Meterb�ndern sind die Rundfunksender, u.a. �brigens
auch der Deutschlandfunk seit einiger Zeit, so, und zwischen diesen Meterb�ndern,
da verstecken die sich meist, und zwar am g�nstigsten ist es entweder zur
vollen oder zur halben Stunde zu suchen, dann findet man meistens einen.
Sprecherin:
Rund
um den Globus spuken Dutzende von Zahlensendern durch den �ther. Tagein, tagaus
sind die eisernen Jungfrauen auf Sendung - mechanische Frauenstimmen, die
monotone Zahlenreihen verlesen. Sie sprechen Deutsch, Englisch, Franz�sisch,
Spanisch, Polnisch, Russisch, Chinesisch und viele andere Sprachen. Allerdings
steht l�ngst nicht jede Station, die Zahlen sendet, im Dienst der Spionage. Es
hei�t, dass auch Wetterdaten, Lottozahlen und geheime Infos f�r
Drogenschmuggler in dieser codierten Form �bertragen werden.
O-Ton
9:
Ja,
ich dreh gerade jetzt zwischen den Rundfunksendern und such da, ob�s da jetzt
irgendeinen Zahlensender gibt, den ich jetzt aufnehmen k�nnte. ... Dieser
Recorder hier, das geht nur ab 5900 Kilohertz von 5900 bis etwa 18.000 Kilohertz
geht der, aber der hier geht durchgehend, von 1 bis sonstewo, wie das so genannt
wird, deswegen gehe ich jetzt mal auf 5435, da h�rt man jetzt noch gar nichts,
wundert mich jetzt aber nicht, 4270 auch nicht, Deuvel, dann geh ich mal auf
4165, auch nicht, 4560, piep piep ... Auch nicht, der ber�hmte Vorf�hreffekt,
verdammt noch mal... Also am besten ist immer noch der 9130, Echo, Whiskey,
tango (Frauenstimme mit Brummen), India, x-ray, Echo, november, Tango... Das war
jetzt ein Mossad-Sender, also diese Buchstabensender ... vom israelischen
Geheimdienst, ... und die sind ja seit, ich wei� nicht wie lange, schon
unvermindert aktiv, diese Mossadsender, ich hab also da schon unheimlich viele
Aufnahmen von und die sind also in der Zahlensender-Szene auch sehr begehrt, ...
das ist zu finden in den neuesten Numbers and oddities, einem Newsletter, den
der Ary aus Nederland im Internet auf seiner Homepage ver�ffentlicht.
Der
Ary aus den Niederlanden hei�t Boender mit Nachnamen, ist 49 Jahre alt,
arbeitet bei einer Bank, wohnt in der N�he von Rotterdam und ist ebenfalls ein
begeisterter J�ger und Sammler von Nummernstationen.
O-Ton
10:
Ik
houd wel een beetje bij.... en
dann bewaar ik dat.
Sprecher:
Ich
notiere schon, was ich geh�rt habe: Sicher, wenn es eine Station ist, die ich
noch nicht kenne. Als das vor zwei Jahren in Afghanistan losging, da gab es zum
Beispiel eine Aktivit�t, die sich deutlich auf den Krieg bezog. Die Russen h�ngen
mit bestimmten Standardsendungen im �ther, in Deutsch, Englisch und Russisch,
das ist ein festes Format, das sie benutzen, ganz leicht zu erkennen. Wenn man
das h�rt, wei� man direkt, dass es die Russen sind. Am Anfang des
Afghanistankrieges gab es auf einmal Sendungen in Tadschikisch und Farsi, das
sind Sprachen, die da gesprochen werden. Eins und eins macht zwei, das hat also
deutlich mit dem Krieg zu tun gehabt. Und so was notiere ich dann, versuche eine
Aufnahme davon zu machen und archiviere sie.
Atmo
6:
Sendung in Farsi
Sprecherin:
Zum
ersten Mal sp�rte Ary den geheimen Funkverkehr in den 70er Jahren auf. Er
arbeitete damals manchmal als DJ und war auf der Suche nach interessanten Ger�uschen
f�r Jingles. Beim Kurbeln am Radio stie� er auf einen Telexsender. Jahre sp�ter
- Ary hatte sich gerade ein neues Radio mit Kurzwellenempfang gekauft -
erinnerte er sich daran und die Jagd begann.
O-Ton
11:
Je
komt ze in eerste instantie......moet zitten.
Sprecher:
In
der Regel findet man Zahlensender beim ersten Mal zuf�llig, so war das
jedenfalls bei den meisten, die ich kenne, dass sie auf der Suche waren nach der
Deutschen Welle oder Voice of America oder was auch immer. Wenn man so von einem
Sender zum n�chsten dreht und findet dann eine Zahlensendung, bleibt man dabei
und will wissen, was es ist. Man muss nur lange genug suchen, dann findet man
immer jemanden, der Bescheid wei�, und so kam ich mit immer mehr Leuten in
Kontakt, die sich auch damit besch�ftigen. Und irgendwann f�ngt man an,
gemeinsam herauszufinden, wo das Ganze eigentlich herkommt. Je mehr Menschen
mitmachen, desto einfacher wird das. Mit Peilantennen k�nnen Radioamateure in
verschiedenen europ�ischen L�ndern bestimmen, wo ein Sender sitzt. Wenn man
sich aus drei verschiedenen Richtungen eine Sendung anh�rt und die Antenne auf
das st�rkste Signal richtet, dann bekommt man irgendwo einen Kreuzpunkt. Dort
muss sich der Sender befinden.
Atmo
7:
E05 - Cynthia
Sprecherin:
Gelungen
ist das zum Beispiel bei einem englischsprachigen Sender, der in einem
Waldgebiet s�dlich von Frankfurt am Main geortet wurde. 20 Antennen umgeben mit
Stacheldraht und Elektrozaun, aber ohne ein Hinweisschild auf den Besitzer. Die
Sprecherin des Senders hat bei den Hobbylauschern den Spitznamen
"Cynthia" - die synthetische Stimme der CIA.
O-Ton: Musik (Klavier)
Sprecherin:
Laut "Spiegel" bekennt sich zwar das Heidelberger Hauptquartier der
US-Landstreitkr�fte in Europa zu dem Sender, aber die codierten Ausstrahlungen
von E-Null-F�nf sollen angeblich nur dem Antennentest dienen. Dass die CIA ihre
Finger im Spiel habe, sei pure Spekulation. Solche bahnbrechenden Neuigkeiten
ver�ffentlicht Boender auf seiner Website "news and oddities".
O-Ton
12:
Ik
ben zelf ben ik voorzitter van de... (er lacht)
Sprecher:
Ich
bin Vorsitzender der Worldwilde Utility News, das ist ein Radioclub f�r alle,
die sich Sendungen au�erhalb des normalen Radioprogramms anh�ren, Flugverkehr,
Schifffahrt, Zahlensender. Es reizt mich immer noch, ich find�s lustig, mir
das anzuh�ren und auch alle Geschichten, die es dar�ber gibt. Weil es gibt da
die wildesten Theorien, das ist wirklich bizarr. Ich hab z.B. mal von einem
Amerikaner einen ganz ernst gemeinten Bericht gelesen, der behauptete also, dass
die Sendungen gemacht werden, um mit Au�erirdischen in Kontakt zu treten, mit
den Marsm�nnchen, ja, und so gibt�s allerlei Theorien.
Ary
Boender und Hunderte anderer Zahlensenderfreunde auf der ganzen Welt hingegen
sind ganz sicher: Sie lauschen Agentenfunk. Und sie verfolgen die F�hrten im �ther
hartn�ckig. Protokollieren jede mitgeh�rte Sendung, notieren Sprache, Zeiten
und Frequenzen, vergleichen Stimmen und den Ablauf der Durchsagen.
O-Ton
13:
Es
gibt ja nun Leute, die haben diese Zahlensender nach ganz bestimmten Kriterien
aufgelistet und in eine Liste zusammengestellt. Und diese Liste wird
herausgegeben von der Enigma, die hat sicherlich ihren Namen nach der Entschl�sselungsmaschine
unter den Faschisten. Enigma hei�t aber bei uns, das ist eine Abk�rzung, und
das bedeutet European Number Information gathering an monitoring Association, �bersetzt:
Europ�ische Gesellschaft zur Sammlung und Beobachtung von Zahleninformationen.
Sprecherin:
Enigma
- der Name ein Mythos. 1923 stellte ihr Erfinder Arthur Scherbius die
Dechiffriermaschine zum ersten Mal der �ffentlichkeit vor. Eine technische
Revolution: Sie war so leicht zu bedienen wie eine Schreibmaschine, sah auch so
aus und eignete sich gleicherma�en zum Chiffrieren wie Dechiffrieren von Texten.
Dazu verf�gte sie �ber eine unglaubliche Zahl von Kombinationsm�glichkeiten.
Bereits das Basismodell mit drei austauschbaren Walzen bot dem Nutzer knapp
18.000 verschiedene Schl�ssel. Bis 1939 wurde die Zahl auf 150 Billionen
aufgestockt. Der Enigma-Code galt damit als absolut sicher, was sich jedoch als
Irrtum herausstellte. Bereits 1940 gelang es den Engl�ndern, einen Rechner zu
konstruieren, der den t�glich ver�nderten Code in k�rzester Zeit entschl�sseln
konnte. Die Enigma-Leute von heute begn�gen sich damit, s�mtliche Zahlensender
nach bestimmten Kriterien zu ordnen.
O-Ton 14:
Da haben wir Sender in verschiedenen Sprachen bzw. Sprachgruppen, und zwar
das E steht f�r Englisch, das G f�r German, M ist keine Sprachgruppe sondern
es sind Morssender, also gemorste Sender, S bedeutet Slawisch, also Russisch,
Tschechisch, Slowakisch usw. sowie V bedeutet various languages, also
verschiedene Sprachen, und die Tonsender werden mit dem Buchstaben X
gekennzeichnet.... Ich geb jetzt mal ein Beispiel: E03 oder E3 ist ein
bestimmter Englischer Zahlensender, und die 3 gibt an, dass es genau jener
Sender ist, der vom englischen Geheimdienst, vom MI5, ausgestrahlt wurde, und
dieses Signal Lincolnshire Poacher als Erkennungssignal hat.
Atmo
8:
Lincolnshire Poacher (Klavierversion)
Sprecherin:
Einige
Hundert Zahlensenderfreaks stehen weltweit in Kontakt. Im Internet, in Chatrooms
oder per Mailing-Liste tauschen sie ihre neuesten Erkenntnisse aus in einem
einen Jargon voller K�rzel und Zahlen. Auf diversen Websites, auch bei Ary
Boender, findet man Listen aller Sender mit Frequenz und Sendedatum. Rund 1.200
Besuche auf seiner Seite z�hlt der Niederl�nder im Monat. Die
Zahlensendergemeinde ist sehr aktive
O-Ton
15:
We
hebben wel met een aantal mensen... .we hebben het niet kunnen kraken.
Sprecher:
Wir
haben mit einer ganzen Reihe von Leuten ein paar Jahre lang alles gesammelt, was
aus Russland kam, auch Telexsendungen, dabei hat es sich um diplomatischen
Verkehr gehandelt, allerdings ist das bei den Russen oft so, dass da auch
Spionage eine Rolle spielt, weil in allen Botschaften auch Jungs vom
Geheimdienst sitzen, und ich wei� nat�rlich nicht, was nun diplomatisch und
was milit�risch und was Spionage ist, aber diese Sendungen haben wir eine
Zeitlang verfolgt und auch versucht zu analysieren, wo sie herkommen und wie sie
aufgebaut sind, aber weiter sind wir auch nicht gekommen, wir haben den Code
nicht knacken k�nnen.
Sprecherin:
Schon
der r�mische Feldherr C�sar pflegte seine vertrauliche Korrespondenz mit
Cicero in einer Geheimschrift zu f�hren. Er ersetzte jeden Buchstaben durch
einen im Alphabet um drei Stellen verschobenen; aus a wurde d, aus b wurde e,
aus c f. Auch Regisseur Stanley Kubrik spielte in seinem Film "2001-Odysee
im Weltraum" mit dem C�sar-Prinzip. Verschiebt man den Namen des
unheimlichen Computers HAL im Alphabet um eine Stelle, wird daraus IBM. Der
Nachteil der Methode: Sie ist leicht zu knacken, denn die H�ufigkeit der
einzelnen Buchstaben ist immer �hnlich. Um eine H�ufigkeitsanalyse zu umgehen,
ist ein Schl�sseltext n�tig, der l�nger ist als der Klartext mit Reihen von
Zufallszahlen. Solche Verschl�sselungen sind absolut sicher.
O-Ton
16:
Ik
heb... grappig om het uit te zoeken.
Sprecher:
Ja,
was ist das Tolle? Keine Ahnung, es ist wie ein spannender Jungenschm�ker,
Spionage, Verrat und so. Das hat doch etwas Geheimnisvolles, Spannendes. Wenn
man solche Sendungen h�rt, dann wei� man bzw. glaubt man zu wissen, worum es
geht, dass es echte Agenten sind, und das ist schon lustig, die aufzust�bern.
O-Ton
17:
Also
ich kann�s nachvollziehen bei Leuten, die eben au�erhalb des
geheimdienstlichen Metiers stehen, wenn man drin steht, ich stand ja sowohl
hauptberuflich n�mlich auf Seiten des BND als auch nebenberuflich auf Seiten
der HVA, wirklich voll im Metier, dann wird das hinterher zu einem Alltagsgesch�ft,
und dann ist also der prickelnde Reiz einfach weg. ... Wer das Metier nicht
kennt, das kann ich schon verstehen, dass man da so etwas James Bond spielen m�chte.
Gabriele
Gast, 1943 geboren in Remscheid, Politikstudentin in Aachen beim Ostexperten
Professor Mehnert, langj�hrige Mitarbeiterin des Bundesnachrichtendienstes. Von
1968 bis 1990 ist sie als Spionin f�r die Hauptverwaltung Aufkl�rung im
Ministerium f�r Staatssicherheit der DDR t�tig. Sie wird verraten und 1991 zu
sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. 1995 wird sie vorzeitig entlassen.
Musik:
Zahlensenderliebe
..
und dann vor dem Berliner Reichstag, yeah, da sing ich meine Schicksalsmelodie:
Schniedeld�deldum, Schniedeld�deldi, Schicksalsmelodie...
O-Ton
18:
Ja
also mein Name ist G�nter Bohnsack, ich war 26 Jahre lang Offizier im
Ministerium f�r Staatsicherheit, speziell in der Hauptverwaltung Aufkl�rung
unter Leitung von Markus Wolf. Wohne in Berlin inzwischen, nach der Wende nat�rlich
nicht mehr in der Firma, arbeite als Journalist �berwiegend und war auch schon
fr�her von Beruf Journalist, bevor ich zu dieser Firma kam.
Sprecherin:
G�nter
Bohnsack, als ehemaliger Leiter der Abteilung 10 in der HVA zust�ndig f�r
Desinformation und Agentenpflege in der westdeutschen Medien, ist heute 63 Jahre
alt und einer der wenigen Dunkelm�nner, der �berhaupt bereit ist zu reden. Das
Interview findet auf einer Parkbank am Obernsee in Berlin-Hohensch�nhausen
statt, dem ber�chtigten gr�nen Versteck der Stasi-Elite. In der locker
bebauten Villen-Kolonie lebte man T�r an T�r. Markus Wolf residierte in der
Oberseestra�e Nummer 40 im ersten Stock, sein Nachfolger Grossmann wohnte unter
ihm im Erdgeschoss. Ein paar Schritte weiter, Manetstra�e 6, stand
Schalk-Golodkowskis Haus. Genau die richtige Umgebung f�r ein konspiratives
Gespr�ch.
O-Ton
19:
Wir
haben ja in allen Parteien Agenten gehabt, da haben wir auch Skandale erfunden
oder Skandale bef�rdert, also ja Ger�chte verbreitet, Parlamentsanfragen
organisiert im Bundestag, also wir haben schon richtig massiv hinein regiert in
innere Belange. Wir haben L�gen verbreitet in B�chern, Millionenauflagen, also
L�gen einfach verbreitet, erfunden und verbreitet, die wirklich geschadet haben.
Es war nackter Kampf, Systemkampf der DDR gegen die Bundesrepublik.
Sprecherin:
Misstrauen,
Feindschaft und Krieg sind der ideale N�hrboden f�r geheime Operationen. Je gr��er
die Krise, desto aktiver die Geheimdienste. Das war schon immer so. Die Lehre
zur Kriegskunst des Chinesen Sun-Tzu, die irgendwann zwischen dem 8. und 4.
Jahrhundert vor Christus erschien, h�lt das Wissen �ber die Lage des Feindes f�r
absolut unerl�sslich, will der Feldherr milit�rischen Erfolg haben. Und in
"Zedlers Universal-Lexikon" von 1744 hei�t es: Ein kluger General
wendet sich gerne an gute Spione, weil er dadurch dem Feinde viele Vorteile
ablaufen kann.
O-Ton
22:
(Bohnsack)
Bei
bestimmten Quellen, die sich �berhaupt nicht weg bewegen konnten, die auch
keinerlei Instrukteure empfangen durften oder Kuriere, die besonders gesichert
werden mussten, das war so genannte QS, also besonderer Quellenschutz war da
angesagt, da war nat�rlich der Funk die einzige Methode, die sie auch annahmen,
die haben sich auch sonst auf nichts eingelassen, und da war�s nat�rlich
schon wichtig, weil diese Quelle sprudelte ja nur dann, wenn der Sender
funktionierte und die Zahlenkombination von der Quelle verstanden wurde und auch
benutzt wurde dann f�r die R�ckkopplung zu Zentrale. ... Wir haben die dann an
die von der Abteilung 8 bei uns in der HVA an diese Mitarbeiter �bergeben, dann
haben die da 6 Wochen so ungef�hr haben die dann trainiert mit denen in irgend
einem stillen Objekt in Berlin Hohensch�nhausen zum Beispiel, da waren sehr sch�ne
stille Villen vorhanden daf�r, und da wurden die richtig da gedrillt, wie man
das so macht, und wurden dann entlassen wiederum in die Freiheit zur�ck mit der
Ma�gabe, nun bittesch�n dieses erworbene Wissen auch anzuwenden, was sie dann
auch taten.
O-Ton
23: (Gast)
Man
wird schon geschult, weil man zumindest erst mal wissen muss, wie das ganze
System funktioniert, man lernt dabei die Verschl�sselungs- und nat�rlich
Dechiffrierungsmethode, man muss sich daran gew�hnen einfach, ja man muss erst
mal wissen, wo �berhaupt auf welcher Frequenz der Sender kommt, der ist sehr
genau einzustellen, dass man nicht also dann in einen anderen
nachrichtendienstlichen Sender reinger�t, denn die liegen zum Teil sehr dicht
beieinander, die Frequenzen, ja, und man muss ein bisschen ein�ben, sich in
diesen �bertragenen, das sind ja Zahlenkolonnen, die eben �bertragen werden,
das man sich da reinh�rt, man muss sie mitschreiben, also ein bisschen Routine
geh�rt dazu.... Da werden Probesendungen gemacht, so dass man also auch die
Scheu davor verliert, und dann muss ich sagen, aber das h�ngt mit mir pers�nlich
zusammen, ich kann mit Zahlen gut umgehen
Atmo
9:
Achtung 4-1-3-7-1 Achtung. (Jochen)
So,
und das bedeutet, jetzt kommt f�r die Person 4-1-3-7-1 eine Nachricht und diese
Nachricht ist: (Band) 9-1-9-1-0 (2x) (Jochen) Keine Ahnung, was dahinter steckt.
(Band) 9-7-8-6-5....
O-Ton
24:
(Gast)
Also
�blicherweise wurden Termine best�tigt, die man zum Teil schon ausgemacht
hatte, aber um die ganze Sache noch mal festzuziehen, Termine f�r Treffen oder
dass ein Kurier kommen sollte, also, es wurden Informationsw�nsche �bermittelt,
sofern man sie sich nicht schon an den f�nf Fingern abz�hlen konnte, ist ja
klar, wenn politische Ereignisse anstanden, haben die immer interessiert, es
wurden pers�nliche Gr��e �bermittelt, z.B. bekam ich regelm��ig zum
internationalen Frauentag am 8. M�rz Gl�ckw�nsche �bermittelt, zum
Geburtstag, zu Weihnachten, also das deckte schon ne ziemliche Bandbreite ab....
Atmo
2:
Gongstation
O-Ton
26:
(Gast)
Derjenige,
der�s verschl�sselt, addiert zu den normalen Zahlen, die im Prinzip
Buchstaben darstellen, also einen Text darstellen, Verschl�sselungszahlen, und
diese addierten Zahlen, die werden dann �bertragen, also die kann man dann auch
nicht, diesen Code kann man dann auch nicht knacken. Ich muss also dann, wenn
ich diese Zahlen eben aufgenommen habe, muss ich wiederum diese Verschl�sselzahlen
da drunter schreiben und subtrahieren, um auf den eigentlichen Text zu kommen.
.... Zum Beispiel, wenn da also dann kam 72/76, 72 war C, 76 H, war davor noch
ne 5 f�r S, dann wusste man also SCH, das kann man dann also im Text schon beim
Entschl�sseln sehr schnell feststellen, also man liest quasi beim Rechnen schon
den Text mit.
O-Ton
27:
(Bohnsack)
Also
nachts nur mal als Beispiel aus aller Welt, aus den Vertretungen im Westen kamen,
nachts beim Diensthabenden immer irgendwelche Blitztelegramme an mit nicht
erkennbarem Inhalt, also bis fr�h um 6 oder 7 musste dieses Zeug also alles �bersetzt
worden sein, und dat konnten wie gesagt wir alle nicht, weil das also wirklich
ne Spezialgeschichte da.
O-Ton
30:
Also
ich hatte eine Schl�sselrolle, das waren jeweils 10 Zahlengruppen � 10 Zeilen
wiederum, also da kam man schon ne ganze Weile mit hin und dazu den eigentlichen
Code, das war nat�rlich sozusagen die hei�e Ware, die ich verstecken musste,
die ich auch nicht vernichten konnte, denn sonst h�tte ich ja keine Sendung
mehr entschl�sseln k�nnen und auch nicht selbst verschl�sseln k�nnen, das
hatte ich also immer verf�gbar zu Hause..
Sprecherin:
Als das FBI im Juni 1957 den sowjetischen Agenten Rudolf Abel festnahm,
fanden die Beamten in seinem Gep�ck einen briefmarkengro�en Notizblock mit
Zufallszahlen. Ein schlagkr�ftiger Beweis. Auch in dem Prozess gegen einen
Londoner Kunsth�ndler, der einen falschen niederl�ndischen Pass aus den Namen
Erwin van Haarlem besa�, spielten Zahlensender eine ma�gebliche Rolle. Eine
britische Spezialeinheit hatte 1988 sein Apartment gest�rmt, w�hrend er gerade
die Nachricht eines Morsesenders aus Prag mitschrieb. Mit seinem K�chenradio
hatte der Kunsth�ndler in 13 Jahren 200 Botschaften vom tschechoslowakischen
Geheimdienst empfangen. Entschl�sselt wurden sie mit der Hilfe von sechs
Dekordierzettelchen. Drei davon waren in einem St�ck Seife versteckt.
O-Ton
31:
(Bohnsack)
Ja,
also ich erinnere mich wieder an meinen alten Freund Guillaume, es wurden ja
auch Faxen gemacht, also Leichtsinn wird auch in den Diensten nat�rlich
mitunter getrieben, und man hat dem guten Guillaume, also an seinem Geburtstag
auch noch original, da mit einem Funkspruch gratuliert, und aus dem Kontext des
gesamten Funkspruchs war klar, wann da jemand Geburtstag hatte. Und da er
sowieso als Sowjetfl�chtling, wie er damals sich ja entsprechend der Legende
betrachtet hat oder betrachtet wurde, hatte man nat�rlich von allen Fl�chtlingen,
die damals abhauten aus der DDR, zumindest diese Grunddaten. Und ist dann auf
den ja ohnehin in Verdacht befindlichen Guillaume noch mal gesto�en, und Markus
Wolf schreibt auch in seinem dicken Buch, in diesem Spionagechef im geheimen
Krieg, beschreibt er diesen Fehler, der leider nun zur Enttarnung beigetragen
hat letztlich.
Sprecherin:
Am
24. April 1974 werden der Kanzler-Spion und Brandt-Vertraute G�nter Guillaume
und seine Ehefrau Christel verhaftet. Der angebliche DDR-Fl�chtling - so die
Legende - hatte sich seit 1956 ohne fachliche Kompetenz, aber zielstrebig ins
Zentrum der Macht hochgearbeitet. Im Oktober 1972 r�ckte Guillaume als dritter
Referent in den pers�nlichen Stab von Bundeskanzler Brandt auf. Er begleitete
ihn auf Wahlkampf- und Informationsreisen, hatte Zugang zu geheimen Akten und
war bei abendlichen vertraulichen Gespr�chsrunden dabei. Die Enttarnung des
Agenten war reiner Zufall. Einem Verfassungssch�tzer war der Name Guillaume im
Zusammenhang mit drei Landesverratsprozessen aufgefallen. Ein alter Funkspruch
aus den 50er Jahren war dann der schlagende Beweis. Darin gratuliert die
Ostberliner Zentrale einem G und einer Chr. zum Geburtstag und beiden zur Geburt
"des zweiten Mannes", gemeint ist Sohn Pierre. Ein Vergleich der Daten
gab dem Verfassungssch�tzer die letzte Gewissheit
O-Ton
34:
(Gast)
Man
tat gut daran, diese Notizen nicht aufzubewahren, denn man musste ja immer vom
schlimmsten Fall ausgehen, dass man irgendwie in die Optik ger�t, dass eine
Wohnungsdurchsuchung stattfindet, und dann w�re das nat�rlich ein schlagendes
Beweismittel gewesen.... Ich bin deshalb hergegangen, hab nach einer Sendung,
wenn ich die Information eben entschl�sselt hatte, das Papier, auf dem ich
geschrieben habe, verbrannt. Verbrannt und vernichtet, also dann in der Toilette
weggesp�lt, da blieben wirkliche keine ...Reste �brig.... Das wird hinterher
Routine, wie beim Autofahren, Sie denken ja auch nicht da dr�ber nach, wenn Sie
von einem Gang in den anderen schalten. Sie machen�s einfach
Atmo
9:
Postschaffner
O-Ton
35:
(Bohnsack)
Es
war �brigens auch ein Jokus hier in der DDR, dass der milit�rische
Nachrichtendienst, der hat ja diese �bermittlung von geheimen Spr�chen usw.
also direkt als Gag gemacht, es gab hier einen Sender, die dann
Schlagersendungen machten f�r den Westen und unterstellten dabei, der Sender
sei auch im Westen, der war aber nat�rlich in der DDR, und der brillierte dann
mit solchen mehr oder weniger putzigen Spr�chen, die Ziege kann gemolken werden,
die Rose bl�ht nicht mehr und allerlei Unsinn, das also, wie gesagt nur dem
Jokusverst�ndnis der Armeeaufkl�rung entsprach, das wurde einfach als
Konterpropaganda dann abgerechnet bei der Partei-, SED-F�hrung hier, das war
einfach Spa� an der Freud, also auch so was gab ... Das ist auch schon so�ne
Schiene, auf der alle Geheimdienste gerne fahren. Andere zu verwirren und zu
verdummen und Ger�chte zu verbreiten, die �berhaupt keine Substanz haben
eigentlich
Sprecherin:
Bei
seiner letzten Sendung am 31. Mai 1990, einem Donnerstag, zeigte der milit�rische
Nachrichtendienst der DDR noch einmal seinen Sinn f�r Humor.
Atmo
10:
Alle meine Entchen
O-Ton
36:
(Jochen s�chselt)
Da
waren wir schon leicht angetrunken, ich mein, wir wussten ja, dass es vorbei ist,
und da haben wir uns erst mal einen gesoffen, und dann haben wir "Alle
meine Entchen" gesungen - Stasi war das also.
O-Ton
37:
Dat
was de militaire tak ....
Sprecher:
Das
war der milit�rische Sender der DDR, die Stasi selbst, die hat die kurze
Botschaft "Wittenberg, Wittenberg" gesendet, und das war�s. Damit
wurden alle Mann zur�ckgerufen. Und die Herren vom Milit�rsender haben sich
ordentlich einen eingegossen und ein Liedchen gesungen, und das war der Abgang
der Nationalen Volksarmee.
Sprecherin:
Nach
dem Ende des Kalten Krieges, dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes und Aufl�sung
der Stasi hat die Aktivit�t im �ther merklich abgenommen.
Atmo
11:
Zahlensender international
O-Ton
38:
Het
zijn er...die daar echt aktiv met bezig waren.
Sprecher:
Es
sind bestimmte Brennpunkte, wo sie herkommen, im Kalten Krieg war das nat�rlich
der Westen, also Deutschland, Frankreich, Amerika und England, dann gab�s den
gesamten Ostblock, jedes Land hatte da Sendungen, und den ganzen Balkan,
Jugoslawien, Albanien, und auf der anderen Seite des Ozeans gab�s Kuba, und
das war�s dann auch schon. Israel war nat�rlich auch immer schon dabei, und
sp�ter ist noch China dazu gekommen, China und die beiden Koreas, da kommt auch
noch einiges her, obwohl das auch weniger wird. Griechenland hat noch eine
Zeitlang einen Sender gehabt und �gypten, und damit h�rt�s auf. Weltweit
betrachtet sind das eigentlich nur wenige L�nder, die das aktiv betrieben haben.
Musik
3:
Zahlensenderliebe, Zwischenstrophe: 5-9-7-7-9 (2X)
Ob
ein deutscher Zahlensender mit ner Spieluhr vorneweg (Spieluhr) oder ein anderer
deutscher Sender mit nem H vornedran, das ist doch ganz egal und das hat auch
keinen Zweck, ich h�re sie mir doch alle an.
Sprecherin:
Gesammelt
hat Jochen Sch�fer in seiner Kindheit und Jugend vor allem die
Zwei-Buchstaben-Sender des BND. Die Beh�rde in Pullach h�llt sich �ber das
eigene Treiben auf der Kurzwelle in Schweigen, obwohl das Kapitel Zahlensender
dort l�ngst der Vergangenheit angeh�rt. Die letzte Ausstrahlung fand 1999
statt. Ein Interview gibt�s trotzdem nicht, nur ein Hintergrundgespr�ch, bei
dem dann Informationen herausger�ckt werden, die ohnehin allgemein bekannt sind.
Atmo
12:
Collage Zwei-Buchstaben-Sender
O-Ton
39:
Also
Zwei-Buchstaben-Sender sind eben Sender, wo ... die Bedeutung im Nato-Alphabet
dieser Buchstaben, als L und M, dann ausgesprochen werden, Lima Mike oder eben
PN, Papa November oder wie auch immer.... LM ist also wohl ein K�rzel f�r die
Person, der diese Buchstaben zugeordnet sind, denn nach diesen Buchstaben und
Tonsequenzen ging es weiter mit Zahlengruppen, und die wurden eingeleitet mit
den Worten: (er verstellt die Stimme) Es liegen Mitteilung vor f�r 9-9-8, 9-9-8
und dann die Anzahl der Gruppen, z.B. 5-3 Gruppen, und das bedeutete, dass dann
tats�chlich eine Botschaft gesagt wurde, die 53 Zahlengruppen umfasste, und
diese Zahlengruppen waren F�nfergruppen, dass man eben erkennen konnte, aha,
das ist die Botschaft.
Sprecherin:
�ber
80 dieser Zwei-Buchstabensender soll es einst gegeben haben auf rund 40
verschiedenen Frequenzen. Gesendet wurde jeden Tag, auch Weihnachten, um
Mitternacht, 6 Uhr, 12 und 18 Uhr, die Wiederholung gab�s jeweils eine halbe
Stunde sp�ter.
Musik
4:
nochmal kurz freistehen lassen
Sprecherin:
Jochen
Sch�fer sammelt abgesehen von den Zwei-Buchstaben-Sendern Ausstrahlungen von
tschechischen Geheimdienst, dem israelischen Mossad und so genannte polytone
Sendungen.
O-Ton
40:
F�r
unsere H�rerinnen und H�rer, die jetzt erst zugeschaltet haben: Jetzt bin ich
also gerade dabei, einen XP zu suchen, einen Sender, der seine Botschaften nicht
in Zahlengruppen von sich gibt, sondern in Tongruppen, wobei jeder Ton f�r eine
Zahl steht. Wollen mal gucken, ob wir den jetzt finden k�nnen. (er dreht am
Weltempf�nger) ...ja, den ham wa. T�d�d�...sogar mit Botschaft, toll. - Ich:
Was ist das jetzt? - Das ist ein Sender, den wir russischen Diplomaten
zuschreiben, und diese bringen also jetzt ihre Botschaften nicht in
Zahlengruppen, sondern in Tongruppen, wobei der tiefste Ton so eine Art Pause
ist.
Atmo
13: Polytonsender
Sprecherin:
Tongruppensender
haben keine festen Sendezeiten, sie kommen und gehen, wann und wohin sie wollen.
Generell k�nnen die Signale aus der Schattenwelt immer und �berall wie aus dem
Nichts auftauchen und genauso auch wieder verschwinden.
O-Ton
42:
So,
der Weltempf�nger wird angeschmissen. Ich guck jetzt gerade zwischen 4000 und
5000 Kilohertz, wo dieser G04 ist, denn normalerweise erwarten wir ihn um diese
Zeit, wir haben jetzt den ersten Donnerstag im Monat, und der sendet immer den
ersten Donnerstag im Monat.
Sprecherin:
Und
zwar normalerweise um Punkt 22 Uhr. Doch diesen Donnerstag bleibt G04 stumm.
Jochen erkundigt sich telefonisch bei einem Hobbyfreund
Atmo
43:
(Ausschnitt Telefongespr�ch)
Ich
hab�s eben probiert zwischen 4000 und 5000, da war also, ich hab erst gedacht,
das w�ren irgendwelche atmosph�rischen St�rungen, hier ist ab und zu mal was
los, denn hier ist Betonbau, aber wenn du ja jetzt dasselbe Ergebnis bringst,
dann gut ...- h�tte kommen m�ssen bei 5220 - gut, prima, dass wir das schon
mal wissen - und jetzt auf 5320, genau 5320, das machen wir gleich noch mal - ja
nee, das hab ich auch, 100 Kilohertz h�her ist mir auch bekannt. - Ja ja, das
ist auch noch nicht immer. Der war fr�her war der 100 Kilohertz tiefer. - ....
dann bringt er zwei Gleichheitszeichen, dann bringt er zwei mal eine
zweistellige Zahl, dann noch zweimal die Gruppenzahl - Gleichheitszeichen, was
ist denn das noch mal? - dadididida - Ach so, ja. Huch, ist das nicht ein
Gedankenstrich? - Ne das ist dadiddedadit - Das ist ein Schr�gstrich! - ...Gedankenstrich,
ist das nicht dadiddedida? - Ach so - Ja.
Sprecherin:
G04
ist bis heute nicht wieder aufgetaucht und vielleicht f�r immer verstummt. Doch
auch wenn es auf der Kurzwelle merklich stiller wird - selbst im Zeitalter von
Internet und Satelliten senden Geheimdienste noch immer verschl�sselte
Nachrichten an unsichtbare Agenten durch den �ther
Musik
4:
Zahlensenderliebe, letzte Strophe:
Aber
Leute, was mir so passiert, letztens war ich daheim, meine neue Freundin war nat�rlich
dabei/ wir h�rten gerade in alte Aufnahmen rein, und schon kam die gro�e
Sauerei/ es klingelte pl�tzlich an unserer T�r und ein Geheimdienstmann aus
dem Ausland kam in Nu/ und sagte: H�ren Sie auf f�r unser Land zu spionieren
und lass endlich meine Frau in Ruh/ Refrain: vor dem kaputten World Trade Center
in New York, weil da sing ich ... Ende, End
Atmo
15:
Lima Uniform, Jochen als Kind:
Wenn
der zuende ist, mach ich nichts weiter mit Zahlensendern, ... wenn der zuende
ist, komme ich
Abmoderation
Achtung:
F�nnef, zwo, null, null, Trennung
Geheimdienste
auf Sendung.
Ein Feature von Claudia Heissenberg.
Sie h�rten eine Produktion des Deutschlandfunks.
Es sprachen: Claudia Mischke und Ulrich Beseler
Ton und Technik: Ingeborg Kiepert und Inge Hoppenrath
Regie:
Anna Panknin
Redaktion: Marcus Heumann
Atmo
15:
Wenn der zuende ist, dann
komme ich.